Versuchsstation Karolinenfeld

Auf der Station Karolinenfeld werden Versuche zur wasserregulierten landwirtschaftlichen Nutzung auf Moorböden angelegt. Dieser neuartige Ansatz zielt darauf ab, Anbauverfahren und innovative Techniken zu entwickeln, die eine moorschonende landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen.

Aktuelles

Moorwiedervernässung mit einfachen Mitteln

In Ergänzung zur Wasserstandsregelung über Pump- und Anstauschächte auf den Versuchsflächen des Moorbewi-Projektes erprobt die Mannschaft der VS Karolinenfeld eine einfache und kostengünstige Maßnahme zur regelbaren Anhebung des Grundwasserstandes.
Auf zwei mit Rohrdrainagen entwässerten Flächen wird das Sickerwasser über Sammler abgeführt, die ihr Wasser frei in den Erlbachgraben abgeben. Auf diesen Auslauf wurden KG-Rohre aufgesteckt und in die Höhe geführt. Die Neigung des KG-Rohrs regelt bei diesem einfachen Aufbau die Höhe des Anstaus auf der dahinter liegenden Fläche: je steiler das KG-Rohr angestellt wird, umso höher liegt der Auslauf und umso höher ist der Anstau. Das Foto wurde am 04.10. aufgenommen, zwei Tage zuvor hatte es mit fast 50 mm Niederschlag ergiebig geregnet.
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Es ist zu sehen, dass aus dem KG-Rohr Grundwasser ausströmt. Gegenüber der ursprünglichen Lage des Auslaufs (im Bild nicht zu sehen, da unter Wasser) konnte somit ein Anstau von gut 60 cm erreicht werden. Die entwässerten Flächen, insgesamt 5,5 ha, sind aktuell mit einer Kurzumtriebsplantage bewachsen, deren Rodung im kommenden Winterhalbjahr ansteht. Sollte der Wasserstand bei der Rodung zu hoch sein, wird das Rohr einfach flacher angestellt. Als Folge sinkt der Wasserstand und die Befahrbarkeit ist wieder hergestellt.
Die hier vorgestellte Maßnahme ist sehr kostengünstig und überall da, wo Drainagen frei in die Vorflut ableiten, leicht herzustellen. Allerdings ist die Mannschaft in Karolinenfeld noch etwas vorsichtig hinsichtlich der Stabilität des Systems. So besteht die Gefahr, dass sich bei ständig hohem Wasserdruck am Verschluss des Sammlers, also am Übergang Sammler zu KG-Rohr, das Sickerwasser neue Wege sucht und das Drainagesystem ausgespült wird. Sollte es sich allerdings bewähren und über die Zeit stabil arbeiten, wäre dies eine simple Methode zur regelbaren Anhebung des Wasserstandes. Zudem ist geplant, den Erfolg der Maßnahme über den Einbau von Grundwasserpegeln zu überprüfen.

ANL und LfU veranstalten Exkursion zur BaySG Versuchsstation Karolinenfeld

Exkursion KarolinenfeldZoombild vorhanden

Besuchergruppe bei Exkursion


Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landespflege veranstalteten gemeinsam mit der dem Bayerischen Artenschutzzentrum am Landesamt für Umwelt am 19. und 20. September das „Symposium Moorschutz: Forschung und Praxis verbinden“.

Teil des Symposiums war eine halbtägige Exkursion zur Versuchsstation Karolinenfeld
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Rund 45 Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet informierten sich im Rahmen einer Exkursion aus erster Hand über die Aktivitäten auf der Station. Die Teilnehmer kamen dabei aus ganz unterschiedlichen Disziplinen: das Spektrum reichte von Wissenschaftlern und Vertretern der Verwaltung über Umweltschutzverbände, Landschaftspflegeverbände bis hin zu praktizierenden Landwirten. Alle im Moorbewi-Projekt beteiligten Arbeitsgruppen (BaySG, LfL, HSWT, ARGE Donaumoos, Donaumooszweckverband) konnten ihre Aktivitäten präsentierten. Neben der Vorstellung der wasserbaulichen Maßnahmen (einfache Einstaumaßnahmen frei auslaufender Drainagen, regelbares Messwehr, geregelter Wassereinstau über Pump- und Anstauschacht) wurden auch Parzellenversuche mit nässeverträglichen Grünlandmischungen und Paludikultuen besichtigt. Zusätzlich fand eine Demonstration der Messung der Treibhausgasemission statt. In einer kleinen Technikausstellung wurden Geräte zur moorverträglichen Bewirtschaftung vorgestellt. Zum Abschluss gab es einen Ausblick auf stoffliche Verwertungsmöglichkeiten. Gerade der Aspekt der dauerhaften Kohlenstoffsequestrierung in Bau- und Dämmstoffen in Kombination mit der Minderung des Torfabbaus durch die moorschonende Bewirtschaftung wurde in den Diskussionen immer wieder hervorgehoben. Hier sehen die Beteiligten den großen Hebel zur Senkung der Treibhausgasemissionen.
Entsprechend der breit gefächerten Interessenlage der Besucher fand ein reger und intensiver Meinungsaustausch statt. Die Projektmitarbeiter des "Moorbewi" konnten detailliert und kompetent ihre jeweilige Arbeitsweise, Probleme und Lösungsansätze darstellen. Die Exkursionsteilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Kompetenz und Motivation der Arbeitsgruppe.

Energiesparfestival Synergie am 24.09.2022

Energiesparfestival SynergieZoombild vorhanden

Energiesparfestival Synergie Kolbermoor

Trockengelegte Moore, die herkömmlich bewirtschaftet werden, setzen enorm viel Treibhausgas frei. Wie kann man Landwirtschaft betreiben und die Treibhausgasemission vermindern? Neugierig? Wir erklären, wie es geht.

Das Energiesparfestival Synergie am 24. September 2022, 11.00 – 17.00 Uhr, rund ums Rathaus Kolbermoor
Die Versuchsstation Karolinenfeld der Bayerischen Staatsgüter geht neue Wege. Sie setzt auf „wassergeregelte Bewirtschaftung von Moorböden“. Auf der Station werden Grünland und Paludi-Kulturen als mögliche Anbau-Alternativen auf Moorböden getestet. Eine Regelung des Wasserstandes durch die Bewirtschafter soll beides ermöglichen: landwirtschaftliche Nutzung und Schonung des Moorkörpers. So lassen sich CO2-Einsparungen erreichen und eine regionale Wertschöpfung beibehalten.


weitere Informationen Externer Link

Versuchsstation Karolinenfeld - Klimaschutz durch neue Systeme

v.l. BaySG Geschäftsführer Dippold, Dr. Drössler, Staatsministerin Kaniber, LfL-Präsident Sedlmayer, Dr. FreibauerZoombild vorhanden

Gruppenfoto

Die Bayerischen Staatsgüter packen den Klimaschutz auf den Mooren an. Zusammen mit der Landesanstalt für Landwirtschaft wird beim Staatsgut Freising ein innovatives System zur Wasserstandsregelung eingesetzt.

Animation und Erklärung zum System.... Externer Link

Klima und Lage

Hauptgebäude der Versuchsstation Karolinenfeld
Höhenlage 468 m ü.NN
Niederschlagsmenge 1200 mm
Durchschnittstemperatur 8,6 °C, Ackerzahl 36 - 42
Bodenart: Abgetorftes Hochmoor, Mächtigkeit 100 - 150 cm

Betriebsfläche

Gesamtfläche176 ha
Landwirtschaftliche genutzte Fläche142 ha
davon Ackerland
davon Dauergrünland
davon Kurzumtriebsplantage (KUP)
20 ha
98 ha
21 ha
Forstwirtschaftliche Fläche19 ha
Hecken, Feldgehölze3 ha
Feldwege, sonstige Betriebsflächen2 ha
Gebäude, Hoffläche5 ha

Versuchsschwerpunkte

Pflanzliche Erzeugung

  • Prüfung von Grünlandmischungen auf wiedervernässten Moorstandorten
  • Erarbeitung pflanzenbaulicher Grundlagen für eine moorverträgliche Nutzung
  • Kurzumtriebsplantagen (Energiewald)

Karolinenfeld wird Beispielsbetrieb für moorschonende Landnutzung

Karolinenfeld Versuchsfläche Moor

Die Schonung unserer Moore kann die Emission von Treibhausgasen senken. Damit auch landwirtschaftlich genutzte Moore hier einen Beitrag leisten, sind umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu leisten. 

Moorschutz in Karolinenfeld

Moorböden haben ein hohes Klimaschutzpotential, Moorschutz und Moorschonung können einen großen Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen leisten. In Bayern entfällt fast ein Viertel der gesamten, durch die Landwirtschaft verursachten Treibhausgasemissionen auf Moorböden, obwohl sie nur rd. vier Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Bayerns umfassen. Das dieser verschwindend geringe Anteil eine so enorme Klimawirkung hat, liegt an der Absenkung des Grundwasserspiegels. In trockengelegten Mooren baut sich die über Jahrtausende angesammelte organische Substanz rasant ab; ein Vorgang, bei dem große Mengen Treibhausgase freigesetzt werden. Wenn es gelingt, diesen Prozess zu verlangsamen oder gar zu stoppen, sind große Einsparungen möglich.

Bislang war Moorschutz an Wiedervernässung und die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung geknüpft, ein Ansatz, der sich nur begrenzt umsetzen lässt. Um Lösungsansätze für diese unbefriedigende Situation zu erarbeiten und den Moorschutz in der Fläche voranzutreiben, beschreitet das Staatsgut Karolinenfeld völlig neue Wege. Auf der Station werden moorschonende Verfahren der Bewirtschaftung unter Beibehaltung der landwirtschaftlichen Nutzung geprüft, bewertet und der Praxis vorgestellt. Karolinenfeld wird damit zum Vorreiter für weitere Betriebe, die auch Moore bewirtschaften. Die hier entwickelten Empfehlungen sollen Wege zum konfliktfreien Miteinander von landwirtschaftlicher Nutzung, Wertschöpfung und Moorschonung aufzeigen und so dem großflächigem Moorschutz und Klimaschutz Vorschub leisten. Dazu startet ab 2021 ein breit angelegtes Forschungsprojekt unter der Leitung des IAB der LfL, finanziert vom StMELF aus Mitteln der Bayerischen Klimaoffensive.

Als weitere Partner sind die HSWT, die ARGE Donaumoos und der Donaumooszweckverband K.d.ö.R. beteiligt. In Karolinenfeld werden bei möglichst hohem Grundwasserstand unterschiedliche Nutzungen geprüft, das Spektrum reicht dabei von feuchtetoleranten Grünlandmischungen mit abgestufter Intensität bis hin zu Paludikulturen. Darunter ist der Anbau von Seggen, Rohrkolben oder anderen feuchteliebenden Pflanzen zu verstehen, die als Energieträger oder neuartige Werkstoffe dienen. Für die beteiligten Wissenschaftler der LfL und der HSWT ergeben sich in Karolinenfeld viele Forschungsfragen und Aufgaben. Diese reichen von der Bearbeitung der wasserbaulichen und -rechtlichen Voraussetzungen über die Entwicklung angepasster Verfahrensketten und Verwertungsmöglichkeiten bis hin zum Transfer der Ergebnisse in die Praxis. In diesem Umfeld steht die Station den Forschern und Wissenschaftlern als Plattform für Untersuchungen zur moorschonenden Landbewirtschaftung zur Verfügung.
Die Station ist für die Umstellung gerüstet. So wurden in der Vergangenheit den Forschern der LfL, der HSWT und der LWF bereits Flächen zur Verfügung gestellt, um beispielsweise Fragen zur KUP-Nutzung auf Moorböden zu bearbeiten oder die Ertragsfähigkeit spezieller Grünlandmischungen zu erfassen.

Umfangreiche Kartierungen des Moorkörpers, Gaswechselmessungen, Niveaumessungen und weitere Untersuchungen haben bereits stattgefunden bzw. sind als Messprogramme etabliert. In 2020 wurde mit Mitteln der LfL ein Stauschacht eingebaut, mit dem sich der Wasserstand auf rund zwei Hektar Grünland regulieren lässt. Der Grundwasserstand wird dabei möglichst hoch eingestellt und nur zur Beerntung kurzzeitig abgesenkt, um die Befahrbarkeit zu ermöglichen. In Vorbereitung für das Projekt wurden außerdem weitere rd. 9 ha mit verschiedenen Grünlandmischungen in einem randomisierten Versuchsplan eingesät, auch auf diesen Flächen wird ein System zur Regulation des Grundwasserstandes eingebaut. Beginnend mit der Vegetation 2021 können hier Nutzungsintensitäten und Verfahrensketten auf Feuchtgrünland geprüft werden. Sämtliche Betriebsfläche, auch außerhalb der Kernversuchsflächen, werden in Grünland umgewandelt. Der Pflugverzicht stellt einen ersten Schritt zur ganzflächigen Moorschonung dar, zudem dienen diese neu angesäten Flächen als Vorrat und Puffer für künftige Versuche auf Moorgrünland.

Der Betriebsleiter, Herr Deutinger, und seine Mannschaft, stehen bereit, die Projektmitarbeiter mit Rat und Tat zu unterstützen. Den Umstellungsprozess hat Herr Deutinger mit der Aufgabe des Ackerbaus bereits eingeläutet, die Büroräume erwarten ihre neuen Bewohner, Arbeitsräume und weitere für die Durchführung des Projektes nötige Infrastruktur werden nach und nach aufgebaut. Damit sind die Weichen für die Neuausrichtung der Versuchsstation Karolinenfeld auf die Zukunftsthemen Moorschutz und Klimaschutz gestellt.

Kontakt

Versuchsstation Karolinenfeld
Theodor-Mayer-Weg 25
83059 Kolbermoor
Tel.: 089 6933442-500
E-Mail: Karolinenfeld@baysg.bayern.de