Bereits zum wiederholten Male hat der Koordinator für Rinderhaltung bei den Bayerischen Staatsgütern und zertifizierte Kuhsignale-Trainer Wolfgang Müller im Auftrag von Fokus Tierwohl einen Kuhsignale Workshop gestaltet und moderiert. Um Tierhalter in Deutschland nachhaltig zu stärken und sie dabei zu unterstützen, Tier- und Umweltschutz, Qualität bei der Produktion sowie Marktorientierung zu priorisieren, wurde das bundesweite Netzwerk Fokus Tierwohl gegründet. Das Verbundprojekt hat das Ziel, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern, um schweine-, geflügel- und rinderhaltende Betriebe in Deutschland hinsichtlich einer tierwohlgerechten, umweltschonenden und nachhaltigen Nutztierhaltung zukunftsfähig zu machen. Am Donnerstag, 09. Juli war Wolfgang Müller bei 16 Schüler/innen der Landwirtschaftsschule Schweinfurt zu Gast. Am Vormittag in der Theorie und am Nachmittag im Stall eines Schülers mit 200 Fleckviehkühen, schwor Wolfgang Müller die wissbegierige junge Mannschaft anhand zahlreicher praktischer Beispiele auf die Thematik ein. Kühe geben ständig Signale ab, aus denen sich zahlreiche Informationen über die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit ableiten lassen. Es geht darum, die Körpersprache der Tiere zu verstehen, kritische Rückmeldungen zu erkennen und daraus Optimierungen für Haltung, Betreuung und Fütterung umzusetzen.

Landwirtinnen und Landwirte, die gezielt in die Tiergesundheit investieren, verbessern das Wohl der Tiere und stärken die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Gesunde Kühe verursachen weniger Arbeit und Kosten, benötigen seltener Behandlungen, fressen besser, leisten mehr und bleiben länger im Bestand. Gesunde Tiere sehen zudem besser aus, was sich gut auf das Image des Betriebs auswirkt. Ein Aspekt wird oft unterschätzt: Gesunde Tiere bringen nicht nur mehr Leistung, sondern auch mehr Freude an der täglichen Arbeit. Wer im Stall seltener mit Problemen konfrontiert ist, erlebt den Arbeitsalltag deutlich entspannter.
Positive Kuhsignale wie beispielsweise saubere, ruhige Tiere, ein gut gefüllter Pansen oder eine normale Kotkonsistenz zeigen, dass vieles im Stall und bei der Betreuung passt. Solche Rückmeldungen der Kühe muss der Tierhalter als Wertschätzung und Dankbarkeit erkennen und genießen. Will sich der Betrieb weiterentwickeln, muss der Landwirt oder die Landwirtin kritische Signale erkennen und hinterfragen: Warum kommen die Kühe nicht gerne zum Melken? Warum legen sie sich erst nach einigen Minuten in die Liegebox? Warum entlasten viele Kühe den Fuß hinten rechts? Solche Signale zeigen, dass Anpassungen notwendig sind. Kühe simulieren nicht und deswegen sind ihre Signale sehr zuverlässig. Kühe sagen immer die Wahrheit!
Einige Zentimeter können für Kühe die Welt bedeuten. Es geht nicht darum, alles zu drehen und zu verändern. Details haben oft eine große Wirkung. Ist beispielsweise das Nackenband am richtigen Ort, reduziert das den Aufwand bei der Boxenpflege. Durch die Verlängerung der Liegefläche legen sich Kühe zügiger hin, da sie sowohl an den Karpalgelenken als auch am Hüft- oder Sitzbeinhöcker weniger mit der Bugschwelle und der Streuschwelle in Kontakt kommen. Bei der Fütterung geht es oft um die Frage, weshalb die Kuh nicht genügend Trockensubstanz aufnimmt. Mögliche Gründe sind fehlende Fressplätze, zu selten angeschobenes Futter, glatte Böden im Fressgang, ungünstig platzierte Tränken oder eine ungenügende Klauengesundheit. Insbesondere bei der Klauengesundheit liegt Potenzial: Ein ruhiger Umgang mit den Tieren, griffige Böden, das Entfernen von Unebenheiten sowie gezielt eingesetzte Gummibeläge können die Situation deutlich verbessern. Ebenso trägt eine der Klauenanatomie angepasste Klauenpflege wesentlich zur Tiergesundheit bei. Nach einem kurzweiligen Tag in Theorie und Praxis verabschiedeten die Studierenden Wolfgang Müller mit einem kräftigen Applaus.
