Kehrschaufeltest - die Selektierbarkeit von Mischrationen überprüfen

Viele Mischrationen sind selektierbar. Diese Futterselektion ist ein unsichtbarer Fluch mit weitreichenden negativen Folgen für die Tiergesundheit und den eigenen Geldbeutel. Häufig wird die Futterselektion in den Milchviehbetrieben aber überhaupt nicht als eine solche wahrgenommen, obwohl bereits das Fressverhalten der Kühe eine eindeutige Sprache spricht. Muntere Kopfbewegungen zur Seite, ein Hin-und Herschieben und Wühlen im Futter, unaufgelöste Silagekugeln am Futterschwad sowie Loch- und Tunnelfraß sind Alarmzeichen. Diese oft nicht realisierte Futterselektion führt ohne Umschweife zu unterschiedlichen Rationen für die Tiere. Die ersten Kühe am Futtertisch, unmittelbar nach der erfolgten Futtervorlage, sortieren beispielsweise die Maissilage aus und lassen die längeren Partikel der Grassilage liegen. Die Kühe „zerlegen“ die Mischration regelrecht. Gerade Jungkühe und rangniedrige Tiere fressen dann häufig in den Nachtstunden oder in Zeiten, in denen die Fressplätze nicht schon durch andere ranghöhere Kühe belegt sind. Diese Tiere nehmen schließlich einen höheren Anteil an Grassilage als ursprünglich geplant zu sich und bekommen sogar weniger Kraftfutter, weil es z.B. in Pelletform angeboten wird und bereits von den anderen Kühen herausgeklaubt wurde. Auf diesem Wege erhält letztlich, trotz einer gutgemeinten Mischration, jede Kuh in der Herde eine andere Ration und die Gestaltung und Steuerung des gesamten Fütterungsmanagementes wird für den Milchviehhalter zur Herausforderung. Wird eine selektierbare Ration über einen längeren Zeitraum verfüttert, so wächst die Herde von der Körperkondition auseinander. Fette Kühe sind nur Kühe, die selektieren können. Eine heterogene Kotkonsistenz ist ebenso ein Beweis für eine Futterselektion. Auch die Milchleistung und die Tiergesundheit driften auseinander. Futterselektion führt darüber hinaus zu unschönen pH-Wert-Schwankungen im Pansen. Die unausweichliche Folge sind Verdauungsstörungen mit einer erhöhten Azidosegefahr. Eine Azidose wiederum gefährdet die Klauengesundheit. Ein Teufelskreislauf nimmt seinen Lauf. Wie lässt sich Futterselektion in Minutenschnelle überprüfen? Hierzu dient der Kehrschaufeltest.

Einziges benötigtes Hilfsmittel ist eine einfache Kehrschaufel.

Folgende Schritte charakterisieren den Ablauf.

  1. Zwei Kehrschaufeln mit Mischration auf den glatten Futtertisch schütten.
  2. Das Kuhmaul nachahmen und mit beiden Händen die Mischration hin- und herschieben und im Futter herumwühlen.
  3. Die jetzt gut durchmischte Ration auf die Kehrschaufel schieben.
  4. Eine Hand auf die Mischration auf der Kehrschaufel drücken und die Schaufel wie einen Pfannkuchen wenden.
  5. Ergebnis: Die feinen Kraftfutterpartikel haben sich beim Durchmischen auf dem Futtertisch abgesetzt. Das Umdrehen der Schaufel macht dies sichtbar. Die Ration ist eindeutig selektierbar.

Ist die Ration selektierbar, so muss dringend für Abhilfe gesorgt werden. Die anschließend erfolgenden Änderungen sind wiederum auf ihren Erfolg zu kontrollieren.