100 Jahre Fachzentrum für Geflügel in Kitzingen

1917 - 2017

Das Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung, welches heute den Bayerischen Staatsgütern angegliedert ist, wurde im Kriegsjahr 1917 mit Unterstützung des Staates und der Stadt Kitzingen als Kreisgeflügelzuchtanstalt gegründet. Damit feierte das Staatsgut Kitzingen im Jahr 2017 sein 100-jähriges Bestehen.

Lange Tradition

Verwaltungsgebäude Kitzingen
Das Versuchs- und Bildungszentrum blickt auf eine lange und wechselvolle Tradition zurück: 1917 stand die Verbesserung von Zweinutzungshühnern und Mastgeflügel für die Ernährung der Bevölkerung mit tierischem Eiweiß im Mittelpunkt. Im Dritten Reich wurde an der Kreisgeflügelzuchtanstalt der Produktionszweig Seidenraupenzucht aufgenommen. Zu diesem Zweck pflanzte man Maulbeerbäume. Die aus den Kokons gewonnene Rohseide wurde zu Fallschirmen für die Luftwaffe verarbeitet. Auch die Zucht und Mast von Angorakaninchen wurde zu Zeiten des 2. Weltkrieges voran gebracht. Neben einer kurzzeitig betriebenen Sumpfbiberzucht wurde auch ein Lehrbienenstand erbaut.

Neue Herausforderungen

Verwaltungsgebäude Kitzingen 2007
Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den 1920er Jahren und der 2. Weltkrieg verhinderten eine größere Aktivität dieser Einrichtung in den folgenden Jahrzehnten. Der Aufschwung der Geflügelwirtschaft in den 1950er Jahren und die Einführung der Hybridzucht führten zu einem gravierenden Strukturwandel in der Legehennenzucht und -haltung sowie der Geflügelmast. Die Kreisgeflügelzuchtanstalt in Kitzingen stand damit vor völlig neuen Herausforderungen. Um dieser veränderten Aufgabenstellung gerecht zu werden, wurden die Kreisgeflügelzuchtanstalten, die in den verschiedenen bayerischen Regierungsbezirken bestanden, aufgelöst und 1962 in Kitzingen eine zentrale Einrichtung geschaffen: Die „Lehr- und Versuchsstation für Kleintierzucht“, die schließlich an die Bayerische Landesanstalt für Tierzucht in Grub angegliedert wurde und für ganz Bayern zuständig war. Zu den Aufgabenschwerpunkten der Lehr- und Versuchsstation zählten von nun an insbesondere die Aus- und Fortbildung des Berufsnachwuchses in der Geflügelhaltung. Als weitere Hoheitsaufgaben wurden der Station Mast- und Angora-Leistungsprüfungen zugewiesen und der Stichprobentest für Legehybriden eingeführt. Auch die praxisnahe Forschung wurde stets weiterentwickelt. So machte sich die Lehr- und Versuchsstation durch Züchtungs-, Fütterungs- und Haltungsversuche zur Qualitätserzeugung von Land-, Wasser- und Spezialgeflügel schnell bundesweit einen hervorragenden Ruf.

Neustrukturierungen

Im Jahr 2003 wurden die Kompetenzen verschiedener selbstständiger Landesanstalten und Behörden in Bayern zu einer Einrichtung, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), zusammengefasst. Bis 2019 war das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung (LVFZ) in Kitzingen eine Organisationseinheit der LfL.
2019 wurde das damalige LVFZ durch Umstrukturierungen zu einem von neun Bayerischen Staatsgütern.

1.304 Auszubildene und 350 Meisterschüler/innen

Hühnerstall Kitzingen 1931.jpg
Auch heute organisiert das Staatsgut als zuständige Stelle für der Berufsausbildung zum/zur Tierwirt/in – Fachrichtung Geflügelhaltung überbetriebliche Schulungen und führt Zwischen-, Abschluss- sowie Meisterprüfungen durch. So haben in den letzten 100 Jahren 1.304 Auszubildende in Kitzingen ihre Prüfung zum/zur Tierwirt/in – Fachrichtung Geflügelhaltung abgelegt und 350 Meisterschüler/innen die Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister erfolgreich durchlaufen.

Forschung und Beratung

Entenstall Kitzingen
Außerdem stellt sich das Staatsgut allen aktuellen wissenschaftlichen Fragen, führt zahlreiche Warentests und praxisnahe Forschungsprojekte durch. Zunehmend im Interesse der eigenen Branche und der Öffentlichkeit stehen Fragen des Tierwohls, deren Umsetzung und Kosten. Das erworbene fachliche Know-How wird in Publikationen in der Fachpresse, in Beratungsgesprächen und Seminaren an Geflügelhalter und die Offizialberatung weitergegeben.